Schödlbauer: Die Grenzen der Welt

Ulrich Schödlbauer

Die Grenzen der Welt

Essays - Band 2

Paperback, 377 Seiten

ISBN 978-3-944512-20-4

Preis Euro 24,00

 

 

 

 

 

 

»Der Part des akademischen Intellektuellen endet dort, wo er, dem klassischen Verständnis nach, beginnt: sobald er sein Verhältnis – beziehungsweise das Verhältnis des Geistes – zur Macht bestimmt. Es könnte gut möglich sein, dass all jene, die darin nur Feigheit oder Borniertheit zu sehen vermögen, sich grundlegend täuschen, insofern sie die Machtkonstellation, der sie die Gelegenheit zur eigenen Rede verdanken, vordergründig aus ihren Überlegungen ausblenden, um sie desto gewisser in ihr zu rekapitulieren. Es ist nicht nötig, dass Macht aggressiv auftritt und in Soldatenstiefeln und Uniformen auftrumpft: jede faktische Konstellation enthält genügend Anreize, sich so und nicht anders in Szene zu setzen, und keiner, der in ihr das Wort führt, sollte sicher sein, dass unter seinen Zuhörern nicht auch solche sitzen, denen die Situation das Wort verbietet oder abschnürt. Er darf es nicht einmal wünschen: unter seinesgleichen zu sein, bedeutet den schlimmsten anzunehmenden Unfall.«

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»Die Fremdheit lokaler oder nationaler Traditionen in der modernen Welt ist aber ein Thema, auf das sich Sieger und Verlierer, Opfer und Täter, Kolonisierer und (De-)Kolonisierte innerhalb der ›gegenwärtigen Weltkultur‹ gleichermaßen einigen können. Es ist ein universales Thema für eine sich universalisierende Welt. Die Götter landen gewöhnlich nur einmal – in der Normandie oder wo auch immer. Danach gilt es, die Grenzen der Welt neu zu erfinden, indem man über den festgezurrten Macht- und Verkehrsverhältnissen das Spiel des Eigenen und des Fremden als ein mentales Ereignis inszeniert. Dieses Spiel ist an keine bestimmte Sprache und keine bestimmte Überlieferung gebunden. Buchstäblich kann es jederzeit an jeder beliebigen Stelle beginnen.«

 

INHALT

Vorwort des Autors

Die Grenzen der Welt

Croces Türken

Über den allegorischen Charakter der Kultur

Im Labyrinth des Heiligen

Coverversion. Giorgio Agamben und die Seinen

Die Wirksamkeit der Scham

Elitärer Egalitarismus

Sarrazin: Der asymmetrische Sexus

Denkverbrechen

Anmerkungen zur Reformgesellschaft

Exkurs über den Exzess

Lektüre des Neuen

Die Globusfalle

Bildungsmanöver

Lügen als eine Signatur der Moderne

Demokrat sein. Eine Replik

Die Ordnung des Geldes

Staatskrise als Menetekel der Moral

Klima und Apokalypse

Bibliografie

Aufsätze zur Medizin- und Wissenschaftsgeschichte

Klaus Bergdolt

Aufsätze zur Medizin- und Wissenschaftsgeschichte

Gebunden, 493 Seiten

ISBN 978-3-944512-27-3

Preis Euro 38,00

 

 

 

 

 

 


Klaus Bergdolt, ehemaliger Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln, präsentiert hier ausgewählte Aufsätze zur Medizin-, Wissenschafts- und Ethikgeschichte. Für eine Analyse der gegenwärtigen westlichen Medizin erscheint, so seine These, der historische Rückblick unverzichtbar, stellt diese doch ein Produkt unterschiedlichster kultureller Strömungen dar, die sie zu verschiedenen Zeiten nachhaltig prägten.

Schödlbauer: Macht ohne Souverän

 

 

 

 

Ulrich Schödlbauer

Macht ohne Souverän

Die Demontage des Bürgers im Gesinnungsstaat

 

Paperback, 383 Seiten

ISBN 978-3-944512-25-9

Preis Euro 24,00

 

Soweit die Überlegungen dieses Buches von einer These getragen werden, wäre es diese: Der unter Druck geratene liberale Staat ist es wert, verteidigt zu werden – weniger gegen die ständig bemühte Drohkulisse aus ›rechten‹ und ›linken‹ Pappkameraden zugunsten einer aufs jeweils eigene Interessenspektrum zurechtgeschneiderten ›Mitte‹, sondern gegen die Zauberlehrlinge und Menschenmeister einer Weltgesellschaft, deren postulierte Erfordernisse sie besser zu kennen scheinen als die artikulierten Bedürfnisse von Menschen, in deren Namen sie handeln und für die sie daher in vollem Ernst die Verantwortung tragen. Die Souveränität des Volkes wurde zu schwer erkauft, um sie eilends einem Weltphantasma zu opfern.
Das schließt Verantwortung gegen die wirkliche Weltgemeinschaft nicht aus.


Hat die politische Klasse in Deutschland die Nerven verloren, als ihre Kanzlerin sich zum Idol aller ›refugees‹ aufschwang, Englands Brexit den europäischen Einigungsprozess widerrief und Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewann? Viele, darunter nicht wenige Ernüchterte des Betriebs, meinen, sie habe in den entscheidenden Tagen und Wochen Verstand, Urteilsvermögen und Augenmaß, kurz, den ›Kontakt zur Wirklichkeit‹verloren, wo auch immer man letztere an zusiedeln bereit ist.

Vor der Einsicht steht die Analyse, jedenfalls sollte sie dort stehen.
 

 

Schödlbauer: Entfesselte Schrift

Ulrich Schödlbauer

Entfesselte Schrift

Essays - Band 1

Schriften zur Literatur

Paperback, 327 Seiten

ISBN 978-3-944512-19-8

Preis Euro 24,00

 

 

 

 

 

 »›Annäherungen an die Zensur‹: so könnte, aus einer bestimmten Perspektive betrachtet, das durch die unterschiedlichen Gegenstände kaum verhüllte Thema dieser Aufsätze lauten. Gemeint wäre damit jener in allen sprachlichen Äußerungen wirksame Mechanismus der Unterdrückung, der sich vielleicht an den absichtslos hingestreuten am überzeugendsten beobachten lässt. Wer spricht, zensiert und wird zensiert. Dabei bleibt es gleichgültig, ob er mit sich oder mit anderen redet und wie bewusst oder unbewusst das geschieht. Da die Schwelle zwischen beiden Zuständen in der Rede selbst liegt, ›entscheidet‹ letztere darüber, ob, wann, wie oft und mit welchem Ziel sie passiert wird.

Der Zensor wacht darüber, was an Sagbarem ungesagt bleibt. Als innere Instanz ähnelt er ebenso sehr dem daimonion des platonischen Sokrates wie dem in jeder Gesellschaft virulenten Sinn für das ›Schickliche‹. Bevor eine Rede als anstößig gilt, muss sie irgendwann die Kontrollen passiert und wirklich Anstoß erregt haben. In diesem Sinn ist die Ermittlung dessen, was sich in der Sprache gehört, als empirischer Vorgang zu begreifen. Die Hauptarbeit ist stets schon geleistet, sobald jemand ›den Mund aufmacht‹ oder zu einem der bereitstehenden Schreibgeräte greift. Vieles, was gesagt werden könnte, ›hat sich erübrigt‹, anderes ›steht nicht auf der Agenda‹, wieder anderes stört oder trägt einen Index: Cave! Zensur ist ein akkumulatorischer Prozess.«
(Aus dem Vorwort des Autors)