Edition Zeno

Edition Zeno ist eine literarische Reihe im Manutius Verlag Heidelberg.
Sie enthält ausschließlich Erstveröffentlichungen zeitgenössischer Werke.
EditionZenoTheorie

Neben belletristischen Titeln bringt die Edition Zeno auch kulturwissenschaftliche und essayistische Arbeiten. Lieferbar sind: Steffen Dietzsch, Wandel der Welt sowie Gabi Rüth, Die Elemente und der Tod.

 

Die  
Autoren  
Ambrosi Carrion Steffen Dietzsch Dieter Rudolf Knoell Simone Katrin Paul Gabi Rüth
  Michael Rumpf Hamid Skif Ulrich Schödlbauer Thomas Weiß Ralf Willms
Die Klassiker

Schödlbauer: Hiero

Schödlbauer: HieroUlrich Schödlbauer

Hiero

Tropos

Gebunden, 416 Seiten

Umschlagmotiv Doro Breger

ISBN: 978-3-934877-75-7

Preis: Euro 24,00

Hiero ist die Geschichte einer studentischen Clique, die - irgendwann in den späten Siebzigern des abgelaufenen Jahrhunderts - sich als Teil einer schmalen Denkerelite in Westdeutschland begreift und daraus Ansprüche für ihr künftiges Leben herleitet. Im Mittelpunkt dieser Spiele von Illusion und Desillusion steht die Figur des jungen Hiero, der gerader als die anderen seinen Weg geht und kompromissloser scheitert.

Nachdenken über die Lebensbedingungen einer Generation - so könnte man die innere Thematik dieses Buches umreißen, des zweiten Bandes aus dem Zyklus "Die versiegelte Welt".

Rüth: Die Elemente und der Tod

Rüth: Die Elemente und der TodGabi Rüth

Die Elemente und der Tod

Gebunden, 256 Seiten

Umschlagmotiv: Walter Rüth

ISBN: 978-3-934877-70-2

Preis: Euro 18,00

Feuer, Luft, Erde und Wasser begleiten die Menschen seit Anbeginn und bestimmen ihr Leben auf die eine oder andere Weise. Spätestens seit der Zeit der Vorsokratiker (Thales, Anaximenes, Heraklit, Empedokles u.a.) kommt neben der lebensweltlichen eine weitere Ebene des Umgangs hinzu. In den unterschiedlichen Welterschließungsmodellen werden sie zu Urbausteinen, Elementen des Kosmos. Seither weist die metaphorische Umschreibung der Elemente und ihrer Funktionen, wie die abendländische Kultur sie vornimmt, eine doppelte Verortung auf: die in der empirischen und die in der symbolischen Welt. Die Rede über und mit den Elementen zeichnet sich dabei durch jene Ambiguität aus, die derjenigen der Elemente selbst entspricht: sie sind Bausteine des Lebens und zerstörerische Kraft.

Nun hat sich jenseits öffentlicher Rede über Erd- und Klimagipfel, Flutkatastrophen, Waldbrände und Ressourcenschonung, jenseits der konstanten medialen Auseinandersetzung mit Themen, in die die Elemente involviert sind, eine elementare Deutungsverschiebung vollzogen, die sich im 20. Jahrhundert zuspitzt und in der Literatur des auslaufenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts manifestiert. Diesem von ihr als gravierend eingeschätzten Deutungswandel, seinen Ursachen und seiner Aussagekraft in Bezug auf den kulturellen und gesellschaftspolitischen Kontext, aus dem er erwächst und in den er hineinwirkt, spürt die Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Gabi Rüth in ihrem Essay nach. Sie untersucht vor dem Hintergrund des Umschlags von der magisch-alchimistischen zur Aufklärungstradition den Gebrauch der Elemente in ausgewählten Romanen der letzten Jahrzehnte. Ihre These: Feuer, Luft, Erde und Wasser sind zu Metaphern des Todes geworden.

Schödlbauer: Das Ungelebte

Schödlbauer: Das UngelebteUlrich Schödlbauer

Das Ungelebte

Studie

Gebunden, 304 Seiten

Umschlagmotiv: Doro Breger

ISBN: 978-3-934877-54-2

Preis: Euro 24,00

Die Begegnung mit dem Ungelebten kann unkalkulierbare Folgen für den Einzelnen haben. Kenne ich meine Mit- und Nebenmenschen? Eine beliebte, dabei müßige Frage, die sich am ehesten stellt, wenn man von einem plötzlich Verstorbenen eine Aufgabe erbt - in diesem Fall ein Manuskript, das danach verlangt, zum Druck befördert zu werden, aber seinen Sinn ebenso wenig preisgibt wie der Freund zu Lebzeiten seine Autorschaft. Das klingt nach einem Rätsel, aber es ist nur der Anfang einer Erkundungsreise, die dem Ungelebten im Leben, seinen Unausweichlichkeiten und produktiven Aspekten nachgeht.

Leseprobe:
"Die Schlager, die da von der Promenade heraufdonnerten, waren schlecht, sie waren lächerlich - kein Zweifel. Aber niemand war überhaupt in der Lage zu entscheiden, ob sie wirklich lächerlicher klangen als die anglophone Einheitskost, mit der die Plattenfirmen und Rundfunkanstalten den Planeten eindröhnten. Der rituelle Zirkus braucht keine Motive, er ist sich selbst genug und er funktioniert, solange er immer neue Millionenheere Verzückter aus dem Boden stampft. Die Leute, die sich hier delektierten, waren vom Veranstalter als alt und hässlich, als minderbemittelt in beiderlei Wortsinn konzipiert worden. Man hatte ihnen einen Musikgeschmack aufs Ohr gedrückt wie den Stempel einer Behörde, die Mastschweine in Güteklassen einteilt. Seltsam war das schon, denn sie unterschieden sich in nichts von den Mitmenschen, die im Bilde waren (und somit jung, schön und intelligent), man hätte meinen können, es seien dieselben Leute. Zum Beispiel zeigte sich nichts von der Verachtung, die junge Menschen für diese Art von Gedudel empfinden mussten, auf dem stark gebräunten Gesicht der Blondine dort - ich war jetzt doch aufgestanden und an die Brüstung getreten -, deren halboffener Mund eine angeklebte Illustrierten-Sinnlichkeit demonstrierte. Auch der Jüngling an ihrer Seite, ein Wuschelkopf mit seltsam blasierten Zügen, der seine Augäpfel wie zwei überteuerte Rassehunde unter strenger Kontrolle Gassi gehen ließ, ließ nichts dergleichen erkennen. Abgesehen davon, dass sich auf den meisten Gesichtern ohnehin nicht viel zeigte, was man nicht bereits wusste, wirkte vielleicht die Zugehörigkeit zu diesem Ort, zu dieser Strandszene disziplinierend, so dass man das, was man hörte, weil man nicht anders konnte, ›nicht so übel‹ fand und daraus den Vorteil zog, sich obendrein für ungemein differenziert zu halten. Wie naiv ich war. Ich wusste nichts davon, dass diese Dinge ununterbrochen und allerorten in kleinen und großen wissenschaftlichen Projekten erforscht wurden, vermutlich also auch geradewegs vor meinen Augen. Das Strandidyll trog - es handelte sich, unsichtbar für meinesgleichen, um ein gesellschaftliches Labor, in dem die ausgeklügeltsten Untersuchungen liefen, ohne dass die Folgen für die erforschte Personengruppe, von leichten Gehörschäden abgesehen, als besonders gravierend eingeschätzt werden mussten. Vielleicht befand sich jenes Pärchen dort unten, für mich ein Emblem jugendlicher Selbstadoration, inmitten einer Feldstudie und kämpfte abends mit den Tücken gedruckter Statistiken, vielleicht übte es sich in ›dichter Beschreibung‹ und hatte auch meinen Balkon längst entdeckt und mich dem Inventar der imaginären Lokalität, die unter seinen emsigen Blicken und Fingern entstand, zugeschlagen. Die Professoren, die ich kannte, waren recht einseitig ausgewählt, es fehlten, ohne dass es mir auffiel, die Sozialwissenschaftler und Psychologen."

Hamid Skif: Exile der Frühe

Hamid Skif: Exile der FrüheHamid Skif

Exile der Frühe

Gedichte, französisch/deutsch

und "Briefe eines Abwesenden"

Aus dem Französischen von Andreas Münzner

Broschur, 112 Seiten

Umschlagillustration: Jürgen Wölbing

ISBN 10: 3-934877-46-X

ISBN 13: 978-3-934877-46-7

Preis: Euro 10,00

Hamid Skif, eigentlich Mohamed Benmebkhout (* 21. März 1951 in Oran; † 18. März 2011 in Hamburg, Deutschland) war ein algerischer Schriftsteller und Journalist, der seine Texte in französischer Sprache verfasste und im deutschen Exil lebte.
2005 erhielt er den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg für seinen Briefroman "Sehr geehrter Herr Präsident".

Leseprobe:
„Paris riecht nach Teer. Ich habe mich in dieser Stadt schon immer fremd gefühlt. Vielleicht, weil sie schön ist und man in ihr nie allein sein möchte? Ich trage meine Einsamkeit in mir und finde es schwierig, diesen oder jenen Ort dafür verantwortlich zu machen, dass er sie verstärkt. Hier ohrfeigt mich meine Einsamkeit an jeder Straßenecke.“ Klassische Worte des Exils, geschrieben von jedermann, dem es in diesem oder im abgelaufenen Jahrhundert widerfuhr. Hamid Skif ist ein Virtuose des Exils, mit den Motiven des Gehens und Bleibens, der auseinandergetragenen Lieben, des Neides, der Erbitterung und der Resignation aufs Engste vertraut. Warum einer sein Land verlässt, wie einer lernt, in Europa, umgeben von Freunden und Gönnern, von Fremden und Konkurrenten, im Unglück zu leben, ohne darüber unglücklich zu sein, das versteht sich unter 'Abwesenden' fast von selbst. Was alle voneinander wissen, ist dennoch schwer zu sagen. Vor allem bedarf es der Diskretion: der Name einer Stadt, die archetypische Geliebte, die Mutter, ein Denkmal, ein Strandmoment, eine Sihouette, - was alle in sich tragen, ist das, was jeder Einzelne in sich trägt – in sich und für sich. Die Gedichte und Briefe dieses Bandes leben aus diesem Stoff, sie beherrschen ihn und er beherrscht sie. Der Algerier Hamid Skif, für den diesjährigen Preis „Literatur des Exils“ der Stadt Heidelberg nominiert, arbeitete in seiner Heimat als Journalist, heute lebt er in Hamburg. Es ist ein Buch der Bitterkeiten, aber nicht der Bitternis: „Falls mich morgen die Nacht umhüllt / Falls das Ineinander von Blättern und Erde / mir ein Leben gibt / Werde ich hier oder anderswo weiterleben wie ein Weg / Ein Zweig / Eine Flasche / Die darauf wartet, dass das Glas sich leert / Damit sie ihm / erneut zu trinken geben kann.“ Es ist ein Buch der gelungenen, der überraschenden wie der vertrauten Wendungen, persönlich und anonym, ein Tribut an die Weltgesellschaft, ihr Drinnen und Draußen, das Draußen im Drinnen, das sanft mordende Exil der 'weichen', grenzenlosen Kommunikation und der 'harten', schneidenden Erfahrungen. Insofern enthalten die ersten Verse des Bandes die Position des Autors, der ein Übergang ist und nicht mehr: „Du hast gegeben / alles gegeben / Dir bleibt nichts mehr zu geben / außer deine gesprenkelten Hände / am Ende der Arme / Willst du sie auch noch geben? / Und dann, was gäbst du als nächstes?“